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Serologie

Die Blutgruppensysteme ABO, Rhesus und Kell werden routinemäßig bei jeder Blutgruppenbestimmung bestimmt.

 

ABO-Blutgruppen

Probenmaterial: 6 ml- Serum-Monovette

Hintergrund: Die Blutgruppenantigene A, B und 0 sind mengenmäßig am dichtesten auf der Oberfläche von Erythrozyten und Thrombozyten vorhanden.

Eine Besonderheit des AB0-Systems - die man diagnostisch nutzen kann - liegt darüber hinaus in der Tatsache, dass im Serum aller Personen, mit Ausnahme von neugeborenen und greisen Menschen und Patienten mit Antikörpermangelsyndrom, Antikörper gegen das oder diejenigen AB0-Antigene vorkommen, die sie selbst nicht besitzen. Diese natürlicherweise in allen Menschen vorkommenden Antikörper, Isoagglutinine genannt, machen das AB0 -System zum wichtigsten Blutgruppensystem.

Eine vollständige Blutgruppenbestimmung beinhaltet immer die Antigenbestimmung auf den Erythrozyten und die Serumgegenprobe zum Nachweis der Isoagglutinine Anti-A und Anti-B im Serum. Erythrozyteneigenschaften und Serumeigenschaften müssen sich dabei entsprechen.

 

Probleme und Fehlerquellen

Neben Verwechslungen bei Blutabnahme und Bearbeitung - deshalb bitte größtmögliche Sorgfalt walten lassen! (z.B. ausschließlich vorbeschriftete Blutbehältnisse verwenden, stets nochmals die Identität des Patienten bei der Blutabnahme kontrollieren, bei der Auswertung und Übertragung von Untersuchungsergebnissen immer das 4-Augen-Prinzip zur Anwendung kommen lassen, usw.) - können auch folgende klinische Faktoren zu Problemen bei der Blutgruppenbestimmung führen:

Probleme mit den Patientenerythrozyten:

Probleme mit dem Patientenserum:

Die oben erwähnten Fehlerquellen zeigen, dass anamnestische Angaben über den Patienten (siehe entsprechende Felder im Anforderungsbogen) für eine sorgfältige Durchführung der Blutgruppenserologie notwendig sind.

*hämolysinarm

 

 

Rhesusfaktoren

Probenmaterial: 6 ml Serum-Monovette

 

Hintergrund: Die Rhesuseigenschaften der Erythrozyten werden mit C, D, E und c, d, e bezeichnet, seltenere Antigene sind Cw und Du . Als Rhesus-positiv werden alle Träger des Merkmals D bezeichnet. Rhesus-negativ bedeutet normalerweise ccddee. Andere D u - und dd - Träger z.B. Ccddee, ccddEe usw. (sogenanntes Strichblut) werden als Empfänger wie rhesus-negativ, aber als Spender wie rhesus-positiv behandelt.

 

Die Verträglichkeiten der verschiedenen Rhesusmerkmale sind in Tabelle 2 aufgelistet.

Rhesus-negative Empfänger sollten nach Möglichkeit nur rhesus-negatives Blut erhalten (bei Notfällen und/oder Engpässen an entsprechenden Konserven muß im Einzelfall entschieden werden).

Bei weiblichen Patienten bis Ende der Menopause , Kindern bis zum Ende des 1. Lebensjahres und bei Patienten, bei denen multiple Transfusionen zu erwarten sind, sollten auch jeweils die Rhesusfaktoren C,c und E,e berücksichtigt werden.

 

Tabelle 2

Tabelle 2
Rhesus-Phänotypen  kompatible Rhesusmuster von Erythrozytenkonzentraten: zu beachten bei Kindern, Frauen vor der Menopause und Polytransfusionspatienten 
CcD.ee  CcD.ee, CCD.ee, ccD.ee, Ccddee, ccddee 
CCD.ee  CCD.ee 
ccddee  ccddee 
CcD.Ee  CcD.Ee, ccD.Ee, ccD.ee, CcD.ee, CCD.ee, ccD.EE, ccddee, CcD.EE 
ccD.Ee  ccD.Ee, ccD.EE, ccD.ee, ccddee 
ccD.EE  ccD.EE 
Cw.D.ee  Cw.D.ee, CCD.ee 
ccD.ee  ccD.ee, ccddee 
CwcD.ee  CcD.ee, ccD.ee, ccddee, CCD.ee 
CwcD.Ee  ccD.Ee, ccD.EE, ccD.ee, ccddee, CcD.Ee, CcD.ee, CcD.EE 
Ccddee  Ccddee, ccddee 
ccddEe  ccddEe, ccddee 
CcD.EE  CcD.EE, ccD.EE 
CCD.Ee  CCD.Ee, CCD.ee 
Cwcddee  Cwcddee, ccddee, Ccddee 
 

 

Kell-System

Probenmaterial: 6 ml-Serummonovette

Hintergrund: Neben dem Rh-Systems besitzt u.a. das Kell-System eine relativ starke Immunogenität (z.B. ist dadurch auch MHN möglich). Homozygoten Trägern des Merkmals k (Cellano ) sollte deshalb in der Regel Kell-negatives Blut transfundiert werden. Bei Vorliegen der äußerst selten auftretenden Homozygotie beim Blutgruppenmerkmal Kell (KK) sollte in jedem Fall der Arzt vom Dienst eingeschaltet werden.


 

Antikörpersuchtest

Probenmaterial: 6 ml-Serum-Monovette

Der Antikörpersuchtest dient dem Ausschluss der wichtigsten irregulären Antikörper gegen Erythrozyten mit Hilfe von ausgetesteten Panel-Erythrozyten.

Antikörper, die nur unterhalb 20 °C nachweisbar sind, sogenannte Kälte-Allo-Antikörper, haben in der Regel keine klinische Bedeutung, sofern sie nicht ein abnormes Reaktionsverhalten oder eine verbreitete Wärmeamplitude besitzen. Ausgenommen sind hier Kälteagglutinine oder Donath-Landsteiner-Antikörper, die eine Anämie verursachen können, oder Patienten, die für Hypothermieoperationen vorgesehen sind. Hier muss bei Transfusionen auf die Erwärmung der Konserven auf 37 ° C (z.B. über Blutwärmer) geachtet werden.

Die zum Antikörpersuchtest verwendeten Testerythrozyten weisen in der Regel die klinisch wichtigsten Antigene auf:

  • Rh-System die Antigene D, C, c, E, e.

  • Kell-System die Antigene Kell, Cellano, Penny (Kp a ) und Rautenberg (Kp b )

  • Duffy-System die Antigene Fy A und Fy B

  • Kidd-System die Antigene JK A und JK B

  • Lewis-System die Antigene Le a und Le b

  • MNS-System die Antigene M, N, S,s

  • Lutheran-System die Antigene Lu a und Lu b

  • Sowie das Antigen P 1

Eine positive Reaktion beim AK-Suchtest bedeutet, dass spezifische Antikörper gegen eines oder mehrere Antigene der obigen Liste vorhanden ist. In diesem Fall wird eine Antikörperdifferenzierung ohne weitere Anforderung durchgeführt, um den Antikörper genau zu identifizieren.

Ein positiver Testbefund bei der gleichzeitig immer mituntersuchten Eigenkontrolle bedeutet, dass die eigenen Erythrozyten des Patienten mit seinem Serum unter bestimmten Milieubedingungen agglutinierend reagieren. Zur weiteren Ursachenabklärung wird das Material im direkten, eventuell monospezifischen Coombstest untersucht.

Ein negativer Antikörpersuchtest bedeutet, dass im Falle einer plötzlichen Transfusionsnotwendigkeit davon ausgegangen werden kann, dass sofort ABO-blutgruppenkompatibles ungekreuztes Blut geliefert werden könnte und auch binnen 30 Minuten gekreuzt werden könnte.


 

 Antikörperdifferenzierung

Probenmaterial: 2-3 x 6-ml- oder 1 x 10-ml-Serum-Monovette

Bei Vorliegen eines irregulären antierythrozytären Antikörpers wird vom Labor automatisch der anfordernde Arzt benachrichtigt und eine Differenzierung des Antikörpers durchgeführt. Vor der Transfusion müssen dann passende Konserven gesucht, eigens auf das fragliche Antigen ausgetestet und gekreuzt werden , was zu einer Verschiebung der Transfusion führen kann und - wenn auch sehr selten - bei der Suche nach ungewöhnlichen Antigenkonstellationen der Blutspender unter Umständen mehrere Tage dauern kann (wenn z.B. eine europaweite Suche nach geeigneten Blutkonserven notwendig werden sollte.

Der Patient erhält dann nach erneuter Kontrolle der Blutgruppenbestimmung und des Antikörpersuchtests automatisch vom Kreuzlabor einen (kostenlosen) Blutgruppen-Notfallausweis, den er immer bei sich tragen sollte.

Zur Differenzierung von medikamenteninduzierten antierythrozytären Antikörpern ist eine ausführliche Anamnese mit Rücksprache im Labor erforderlich. Neben einer kurzen schriftlichen Zusammenstellung der wichtigsten relevanten Patientendaten (Anamnese und Befunde) müssen Blutproben (je 2 10 ml Serum- und 6 ml EDTA- Blut-Monovetten), eine Probe des vermutlich verantwortlichen Medikaments sowie medikamenten-metabolithaltiger Urin mit eingesandt werden.


 

 Ausstellen eines Blutgruppenausweises

Ein Blutgruppen-Ausweis kann auch auf Wunsch des Patienten ausgestellt werden. Die Kosten der Blutgruppenbestimmung ohne Vorliegen irregulärer Antikörper oder anderer medizinischer Indikationen für die Ausstellung eines Notfallpasses werden von den Kassen nicht übernommen und müssen vom Patienten selbst bezahlt werden (Rückfragen im Sekretariat des Institutes, Tel.: 6201).

Voraussetzung für die Ausstellung eines Blutgruppenpasses ist die zweimalige Bestimmung der Patientenblutgruppe und des Antikörpersuchtests aus 2 bei verschiedenen Blutabnahmen beim Patienten gewonnenen Blutproben (6 ml-Serummonovetten), da für die Ausstellung eines Blutgruppenausweises mindestens 2 unabhängige Blutgruppenbestimmungen notwendig sind.

Inwieweit bereits bei uns erhobene Befunde dabei mitverwendet werden können ist im Einzelfall abzuklären. 

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Letzte Aktualisierung: 30.11.2017 | Online-Redaktion
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