Die immunsuppressive Standardtherapie verhindert sehr erfolgreich akute Tansplantatabstoßungen, birgt jedoch auch viele unerwünschte Nebenwirkungen wie Nierenschädigung, Herz- und Gefäßerkrankungen und ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Tumorerkrankungen. Daher, und zur Verbesserung des Langzeittransplantatüberlebens, bleibt es ein wichtiges Thema der Forschung, Toleranz gegenüber dem Transplantat zu erreichen. In der Transplantationsimmunologie ist es bereits eine lange angewandte Technik, immunregulatorische Zellen von toleranten Tieren auf unbehandelte Tiere zu übertragen, um dort eine Akzeptanz des Transplantats zu erreichen. Erst seit kurzem ist diese Anwendungsmöglichkeit auch in der klinischen Anwendung von Bedeutung. Verschiedene Arten von Zellen sind derzeit schon an dem Punkt der vorklinischen Entwicklung, der es erlaubt, sie als gründlich untersuchte Unterstützung zur immunsuppressiven Therapie in frühen klinischen Versuchen einzusetzen. Ein sehr vielversprechender Zelltyp, die regulatorischen Makrophagen , sind in unserem Labor in der Experimentellen Chirurgie seit vielen Jahren im Fokus unserer Forschung.
In einem kürzlich im Journal of Immunology veröffentlichten Fachartikel berichten wir vom Behandlungsverlauf zweier Nierenempfänger, die vor der Transplantation mit regulatorischen Makrophagen (M reg) des Spenders behandelt wurden. Patientin MM, eine 23-jährige Frau mit Nierenversagen aufgrund von IgA-Nephritis, erhielt eine Niere von ihrer 58 Jahre alten Mutter. Ihr wurden zudem sechs Tage vor der Operation 8 Mio. Spender-M regs/kg verabreicht. Jetzt, mehr als drei Jahre nach der Transplantation, ist MM gesundheitlich stabil und erhält nur eine geringe Dosis des suppressiven Medikaments Tacrolimus (2mg BD, Minimallevel 4 ng/ml).
Patient CA, ein 47-jähriger Mann, erhielt eine Niere von einem 40-jährigen, nichtverwandten Lebendspender, wobei die Gewebemerkmale (HLA-Typen) nicht übereinstimmten. Sieben Tage vor der Operation wurden ihm 7,1 Mio. Spender-M regs/kg mittels Veneninfusion verabreicht. Nach nun über drei Jahren zeigt CA eine stabile Nierenfunktion und erhält ebenfalls nur eine Einfachbehandlung mit Tacrolimus (5mg OD, Minimallevel 2,7 ng/ml).
Eine bahnbrechende Studie des IOT-RISET-Netzwerkes identifizierte kürzlich ein Genexpressionsmuster im Blut, das mit einem Status der Toleranz ohne Immunsuppression bei Patienten nach Nierentransplantation assoziiert ist. Zur Messung des medizinischen Effekts der M regs wurde die Expression der zehn bedeutsamsten Genmarker der Toleranz, festgelegt von der IOT-RISET- Gruppe, mehrfach in Blutproben der Patienten MM und CA analysiert. Während des ersten Jahres nach der Transplantation glich sich die Expression der Genmarker denen der IOT-RISET- Signatur allmählich an, wobei die genaue Bedeutung dessen noch unklar ist. Die IOT-RISET- Signatur ist bisher noch nicht ausreichend validiert und der Einfluß der Immunsuppression auf die Genexpression der Marker nicht völlig geklärt. Dennoch sind die Daten zumindest kein Widerspruch zur Annahme, dass die Patienten MM und CA einen bereits messbaren Grad der immunologischen Regulation gegen das Transplantat erreicht haben.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse unserer Vorstudie, dass eine Behandlung mit humanen regulatorischen Makrophagen durchführbar ist. Bei den Patienten MM und CA traten durch die M reg-Gabe keinerlei gesundheitliche Komplikationen auf, dennoch sind weitere klinische Studien zur Sicherheit dieser experimentelle Behandlung notwendig. Der klinische Verlauf der Patienten MM und CA ist sehr ermutigend, ebenso die Ergebnisse der immunologischen Charakterisierung. Um sicher zu gehen, dass eine Behandlung mit M reg wirklich von Nutzen für die Patienten ist, müssen weitere klinische Studien durchgeführt werden. Die Europäische Union unterstützt daher seit kurzem eine multinationale klinische Untersuchung zur Zelltherapie in der Nierentransplantation, die von Prof. Geissler und Prof. Schlitt am Universitätsklinikum Regensburg entwickelt wurde und dort auch koordiniert wird. Weitere Informationen zu dieser hochinteressanten Studie finden Sie auf der Internetseite www.onestudy.org .
Originaltitel der Publikation:
Hutchinson J.A. et al., Geissler E. and Fändrich F.
J Immunol 2011; 187; 2072-2078; online 29 July 2011
| Kontaktdaten | ||
|---|---|---|
![]() |
Dr. James Hutchinson Klinik und Poliklinik für Chirurgie > Curriculum Vitae |
Telefon: 0941-944-6987 E-Mail: James.Hutchinson@ukr.de |