Ein Hirnbypass kann einen drohenden Schlaganfall verhindern und die Lebensqualität wesentlich verbessern / Große Studie bestätigt Effektivität zur Schlaganfallprophylaxe
Als derzeit einzige Klinik in Bayern bietet die Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie (Direktor: Prof. Dr. A. Brawanski) seit vier Jahren die Operation des sogenannten Hirnbypasses zur Vorbeugung eines Schlaganfalls an. Entwickelt vor vierzig Jahren in Zürich, wird dabei über eine wenige Zentimeter messende Öffnung des Schädels oberhalb des Ohres eine geeignete Arterie der Kopfhaut mit einer entsprechenden Arterie der Gehirnoberfläche verbunden. Dadurch kann zusätzlich arterielles Blut dauerhaft "von außen" ins Gehirn strömen. Der Eingriff dauert etwa vier Stunden und ist weniger riskant als eine Operation im Gehirn.
"Diese Methode ist zwar nicht neu, findet jedoch erst wieder seit einigen Jahren Anerkennung zur Vorbeugung des Schlaganfalls", erklärt Oberarzt Dr. Karl-Michael Schebesch. Denn nach einer großen Studie aus dem Jahr 1985 geriet das Verfahren vermehrt in die Kritik, da nicht gezeigt werden konnte, dass die Operation einen Überlebensvorteil bringt. Aber diese Studie wies große inhaltliche Mängel auf. Mittlerweile wurden international mehrfach aktuelle Studien veröffentlicht und wesentliche Kriterien formuliert (u.a. Alter, Nebenerkrankungen, neurologischer Zustand) sowie die präoperativen Untersuchungsmethoden (Kernspintomographie, Nuklearmedizin, Angiographie, Ultraschall) erheblich verbessert, bzw. stehen erst seit einigen Jahren zur Verfügung. Auf diese Weise konnte die Erfolgsrate auf sehr hohem Niveau bewertet werden.
Im Februar 2010 erschien in dem anerkannten medizinischen Fachjournal Cochrane Database of Systematic Reviews eine zusammenfassende Aufarbeitung aller bisher vorgelegten medizinischen Studien über Wirksamkeit, Erfolgschancen und Komplikationsraten des Hirnbypasses bei Hirnarterienverschluss. Hierbei wurde die Effektivität dieser Methode überprüft und bestätigt.
In der neurochirurgischen Gefäßsprechstunde bei Oberarzt Dr. Karl-Michael Schebesch können sich Patienten donnerstags ab 15.00 Uhr vorstellen und umfassend über die operativen Möglichkeiten informieren. Weitere Informationen sowie einen Termin erhalten Sie unter der Telefonnummer 0941 944 9010.
Hintergrund: Schlaganfall – Ursachen und Prävention
In Deutschland zählt der Schlaganfall zu einer der häufigsten Todesursachen. Überlebt der Patient die akute Phase des Schlaganfalls, bleibt häufig eine dauerhafte, schwerwiegende Behinderung, die die Bewältigung des bisher gekannten Alltags meist unmöglich macht. Es gibt Warnsignale, die temporär auftreten können wie Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder Gesicht, sowie Seh-, Sprach- oder Hörstörungen. Nach entsprechender Diagnostik kann der Arzt - häufig durch blutverdünnende Medikamente - dem Risiko eines massiven Schlaganfalls vorbeugen. Auch Sport, ausgewogene Ernährung sowie Verzicht auf Nikotin und Alkohol tragen wesentlich zur Prophylaxe bei.
Einige Menschen haben jedoch eine kaum noch beeinflussbare, hochgradige Einengung oder gar einen Verschluss einer Hirnschlagader (Arteria carotis). Ist dieser Verschluss am Hals, kann meist durch einen gefäßchirurgischen Eingriff die Halsschlagader wieder erweitert und das Gehirn ausreichend mit Blut versorgt werden. Ist die Schlagader jedoch an der Schädelbasis verengt oder verschlossen, ist eine direkte Operation nicht möglich. In solchen Fällen kann die Durchblutung der jeweiligen Hirnhälfte dauerhaft eingeschränkt sein und reicht unter Umständen gerade noch aus, um das Hirngewebe vorübergehend zu versorgen. Kommt es jedoch zu einem Blutdruckabfall, z.B. wegen einer Erkrankung, nach dem Sport oder beim Schwitzen im Sommer, droht ein Schlaganfall. In diesem Fall kann mit einem mikrochirurgischen Eingriff ein Hirnbypass gelegt und so einem Schlaganfall vorgebeugt werden.