
Mit einer Häufigkeit von 1:500 Geburten ist die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte die häufigste angeborene Fehlbildung des Gesichts. Eine direkte Ursache ist nicht bekannt. Forschungen belegen, dass die Entstehung zwischen der 4. bis zur 9. Schwangerschaftswoche multifaktorieller Natur ist, dabei kommt neben Umwelteinflüssen, Folsäuremangel etc. auch eine erbliche Komponente von 15 bis 33 Prozent zum Tragen.
Da die Ausprägung der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten stark variiert kann die Spaltbildung einseitig oder beidseitig sein. Die Varianz reicht dabei von einer reinen Lippenkerbe über unterschiedlich breite Lippen-Kiefer- Gaumenspalten - die alle angeführten anatomischen Regionen mit einbeziehen - bis zu isolierten Gaumenspalten.
Uns ist es deshalb wichtig, einen schnellstmöglichen Kontakt mit den betroffenen Säuglingen und ihren Eltern herzustellen, um die weitere Therapie, die Hand in Hand mit anderen Kliniken (Kinderheilkunde, Kieferorthopädie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Logopädie etc.) durchgeführt wird, zu planen. Dank moderner Untersuchungsmethoden wie Ultraschall ist es meist möglich, die Diagnose schon im Mutterleib zu stellen. Gleich nach der Geburt können wir dann eine Abformung zur Herstellung einer "Trinkplatte" nehmen. Die "Trinkplatte" wird gemeinsam mit den Kollegen der Klinik für Kieferorthopädie angefertigt und kontrolliert. Durch gezieltes Beschleifen der Platte kann dann das Wachstum des Kiefers gesteuert werden, so dass die Spaltbreite bis zur operativen Versorgung noch verkleinert werden kann.
Die erste Vorstellung in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Hause erfolgt im 2. Monat. Durch die Spaltbindung des Gaumens kommt es häufig zu einer Belüftungsstörung des Mittelohres. Sollte es notwendig sein, werden dann im Rahmen der Operation zur Lippenplastik Paukenröhrchen zur Belüftung des Mittelohres eingelegt.
Der Verschluss der Lippenspalte erfolgt im 3. bis 5. Lebensmonat. Im 12. bis 15. Lebensmonat wird die Spalte im harten und weichen Gaumen verschlossen. Bei breiten Gaumenspalten wird dabei in zwei Sitzungen erst der weiche und zu einem späteren individuell geplanten Termin der harte Gaumen verschlossen. Erst die Wiederherstellung des weichen Gaumens ermöglicht ein adäquates Erlernen des Sprechens.
Im 9. bis 12. Lebensjahr wird dann die unter der Schleimhaut verborgene Spalte im Oberkiefer mit eigenem Knochentransplantat (Knochenstanze aus der Hüfte) versorgt. Dadurch wird der Durchbruch des Eckzahnes ermöglicht, der meistens kieferorthopädisch eingestellt werden muss.
Neben der Spaltbildung im Lippen-Kiefer-Gaumenbereich ist der Nasenflügel der betroffenen Seite abgeflacht. Eine Nasenkorrektur ist ab dem 17. Lebensjahr anzustreben.
Die Sprachbeurteilung erfolgt in der Abteilung für Logopädie an der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Sprachverbessernde Operationen erfolgen bei Bedarf vor der Einschulung.
Bei einem Termin in unserer LKG-Sprechstunde können weitere Fragen und Sorgen mit Ihnen persönlich und individuell abgestimmt und besprochen werden.