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Nephrologie

Nierentransplantation - Lebendspende

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Nicht alle Aspekte der Lebend-Nierenspende sind in diesem Rahmen umfassend zu klären. Auch können im Einzelfall die Verhältnisse besonders liegen. Bitte wenden Sie sich mit weiteren Fragen immer an das Transplantationszentrum, wir werden uns stets bemühen, offene Fragen und Probleme zu klären:

Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Bereich Nephrologie
Universität Regensburg
93042 Regensburg
Tel. 0941 944-7301

Transplantationszentrum
Universität Regensburg
93042 Regensburg
Tel.: 0941 944-6900 

Fragen und Antworten:

Was ist Lebend-Nierenspende?
Die Lebend-Nierenspende ist die Spende der Niere eines gesunden Menschen zum Zweck der Transplantation. Im Gegensatz dazu ist die Leichen-Nierenspende die Spende der Niere eines Verstorbenen.

Warum Lebend-Nierenspende?
Der Mangel an Nieren Verstorbener ist sehr groß. Weniger als ¼ der auf eine Niere wartenden Dialysepatienten können jedes Jahr transplantiert werden. Diese Warteliste umfasst in Deutschland derzeit über 10.000 Patienten. Die Wartezeit bis zu einer Transplantation dauert deshalb für viele Patienten sehr lang, oft zu lang. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt je nach Blutgruppe und Gewebemerkmalen (HLA) derzeit zwischen drei und vier Jahren. Noch schlechtere Chancen haben Patienten, die durch eine vorausgegangene Schwangerschaft oder Bluttransfusionen gegen Fremdgewebe Antikörper gebildet haben, die zu einer sofortigen Abstoßung der transplantierten Niere führen würden. Diese Patienten werden als "immunisiert" bezeichnet, sie müssen bis zu über zehn Jahren auf ein passendes Organ warten. Für diese Personen gibt es bei Eurotransplant spezielle Programme (=Acceptable Mismatch Program).

Vorteile der Lebend-Nierenspende
Mit einer Lebend-Nierenspende läßt sich die Zeit an der Dialyse verkürzen. Dies ist wichtig, weil Dialysepatienten ein vielfach höheres Risiko für verschiedene Erkrankungen haben, als Transplantierte: häufigere Herzinfarkte, Entwicklung einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Gefäßverschlüsse mit Amputationen von Beinen, Blutarmut, Osteoporose, unerträglicher und kaum beeinflussbarer Juckreiz, Impotenz und weitere mehr. Eine möglichst frühzeitige Nierentransplantation führt zum besseren Überleben im Vergleich zu mehrjähriger Dialysetherapie vor der Transplantation. Zudem beeinträchtigt die Dialyse häufig Leistungs- und Arbeitsfähigkeit und verringert die Möglichkeiten einer beruflichen Karriere. Beschränkungen in der täglichen Trinkmenge mit oft quälendem Durst, eine strenge "Dialysediät" und Einschränkungen bei Reisen und Urlaub beeinträchtigen oft die Lebensfreude. Bei Lebend-Nierenspenden sind die Chancen für eine gute und lange Transplantatfunktion erfahrungsgemäß günstiger als bei einer Leichen-Nierenspende. Oft ist bei guter Planung das Eintreten der Dialyse ganz zu vermeiden. Die Erfolgschance der Lebend-Nierentransplantation liegt zwischen 90 und 95% im ersten Jahr, bei der Leichen-Nierentransplantation bei etwa 90%. Lebendspenden sind also erfolgversprechender. Dies gilt insbesondere für nahe Blutsverwandte, überraschenderweise aber auch für nicht mit dem Empfänger verwandte Nierenspender.

Frühe Risiken für den Spender
Wie bei jeder anderen Operation, beispielsweise einer Blinddarmentfernung, sind auch bei einer Lebend-Nierenspende Frühkomplikationen zu beobachten:

Schmerzen nach der Nierenspende
Zur Nierenentnahme war früher ein bis zu 20 cm langer Schnitt unter dem Rippenbogen zum Rücken hin erforderlich. Heutzutage wird bei uns ein Zugangsweg von vorne ("pararektal") gewählt, der weniger Beschwerden macht und mit einen deutlich kürzeren Schnitt auskommt. Durch die modernen Verfahren der Narkose und Schmerzbekämpfung ist eine Schmerzfreiheit nach der Operation regelmäßig zu erreichen.

Dauer des Krankenhausaufenthaltes
Bei komplikationslosem Verlauf 10-14 Tage.

Arbeitsfähigkeit nach der Spende
Während der Zeit bis zur stabilen Vernarbung, also etwa 6-8 Wochen, dürfen keine schweren Lasten gehoben werden. Bürotätigkeit kann nach 4-6 Wochen wieder aufgenommen werden. Individuelle Unterschiede sind aber durchaus möglich und werden mit Ihrem nachbetreuenden Arzt festgelegt.

Späte Risiken nach einer Nierenspende
Da durch den Operationsschnitt auch oberflächliche Hautnerven durchtrennt werden (müssen), kann es vereinzelt zu "pelzigen" Hautarealen kommen, die medizinisch bedeutungslos sind, aber gelegentlich als lästig empfunden werden und sich nicht immer ganz zurückbilden. Ebenso sind meist harmlose Narbenbrüche beobachtet worden. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Spende einer Niere die Entstehung eines erhöhten Blutdruckes oder einen zunehmenden Eiweißverlust im Urin begünstigt. Die längsten Nachbeobachtungszeiten von Lebend-Nierenspendern betragen über 20 Jahre. Die Nierenfunktion des Spenders wird in der Weltliteratur als stabil beschrieben. Der Verlust der verbliebenen Niere durch einen Tumor oder einen Unfall ist extrem unwahrscheinlich.

Die Eignung zum Lebend-Nierenspender
Zwei Voraussetzungen müssen zwingend gegeben sein: die Blutgruppen von Spender und Empfänger müssen zueinander passen und die Kreuzprobe mit Blut vom Spender und Empfänger darf nicht reagieren.

Folgende Blutgruppen sind passend:
Spender 0: Empfänger alle Blutgruppen
Spender A: Empfänger A oder AB
Spender B: Empfänger B oder AB
Spender AB: Empfänger AB

Der bei der Blutgruppenbestimmung mit festgestellte Rhesus-Faktor hat für die Transplantation keine Bedeutung. Zudem muss der Spender vollkommen gesund sein. Das wird durch ein intensives Untersuchungsprogramm sichergestellt. Auch folgende Erkrankungen können je nach Ausmaß zum Ausschluss einer Spende führen: Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Nierensteinleiden.

Altersgrenze bei Nierenspenden
Grundsätzlich gibt es für die Lebend-Nierenspende keine Altersbegrenzung. Auch hier gilt natürlich, dass der Spender gesund sein muss, um das Risiko für ihn zu minimieren.

Lebend-Nierenspende unter Nicht-Blutsverwandten
In der Vergangenheit herrschte überwiegend die Meinung vor, dass die Organspende zwischen Nicht-Blutsverwandten aufgrund der schlechteren Gewebeübereinstimmung auch zu schlechteren Ergebnissen führen muss als bei Blutsverwandten. Diese anfänglichen Zweifel sind zwischenzeitlich durch die guten Resultate bei dieser Form der Nierenspende widerlegt. In großen Untersuchungen waren die Ergebnisse bei Nicht-Blutsverwandten besser als bei gut passenden Leichen-Spenden. Insgesamt kann mit einer Funktionsrate von 90% nach einem Jahr gerechnet werden. Auch hier ist zu beachten, dass jede zehnte bis zwanzigste Niere ihre Funktion nicht aufnimmt. Dies kann insbesondere zu besonderem psychischen Streß bei beiden Beteiligten führen. Deshalb müssen solche Fragen vor der Spende in einem Gespräch mit einem besonders geschulten Psychologen diskutiert werden. Die Spende für einen Nicht-Blutsverwandten hat - neben den auch sonst gültigen medizinischen - unter anderem folgende wichtige Voraussetzungen (§8 Transplantationsgesetz):

Insbesondere letzteres wird im Einzelfall jeweils sehr sorgfältig zu prüfen sein. In keinem Fall darf eine bestehende, z.B. finanzielle, Abhängigkeit des Spenders ausgenutzt werden.

Kosten einer Lebend-Nierenspende
Die Kosten der Lebend-Nierenspende trägt die Krankenkasse des Empfängers. Auch im Fall, dass eine Spende sich als unmöglich erweist, trägt die Krankenkasse des Empfängers die Kosten für bereits erfolgte Voruntersuchungen.

Lohnausfall
Lohnfortzahlung erfolgt entsprechend dem Fall, dass der Empfänger krank ist. Hausfrauen und -männer erhalten allerdings bislang keine finanzielle Unterstützung für eine Haushaltshilfe.

Versagen der gespendeten Niere
Wie bei jeder Organübertragung kann es auch im Fall einer Lebend-Nierenspende dazu kommen, dass das transplantierte Organ seine Funktion nicht aufnimmt, durch chirurgische Komplikationen oder nicht behandelbare Abstoßungen versagt. Dies ist im ersten Jahr nach Transplantation bei etwa 5-10% der Transplantate der Fall. Dies darf nicht mit einer sogenannten "verzögerten Funktionsaufnahme" verwechselt werden, die bei Lebendspenden insgesamt selten eintritt und dazu führt, dass die transplantierte Niere erst einige Zeit - in der Regel zwei bis drei Wochen nach Einpflanzung - die Funktion aufnimmt, also Urin produziert und das Blut entgiftet. Während dieser Zeit wird beim Empfänger die Dialysetherapie weitergeführt. Auch sind sogenannte "Abstoßungskrisen" nach Transplantation nicht selten. Bei einer solchen Abstoßungskrise wird das Immunsystem des Empfängers plötzlich stärker als die Medikamente, die diese Abstoßungen unterdrücken sollen. In weit über 95% sind diese Abstoßungen durch stärkere Medikamente wieder zu unterdrücken. In einem kleinen Prozentsatz allerdings sind alle Bemühungen vergeblich und das neue Organ wird vom Immunsystem des Empfängers zerstört. Das gilt sowohl für Leichen-Nierenspenden als auch für die Transplantation der Niere eines lebenden Spenders.

Verhalten nach der Nierenspende
Speziellen Einschränkungen ist der Nierenspender nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht unterworfen. Weder muss eine spezielle Diät eingehalten werden noch ist körperliche Schonung - abgesehen von der ganz frühen Phase nach der Spendenoperation - erforderlich. Wenn überhaupt, ist von Betätigungen, die zu einem hohen Unfallrisiko führen können oder von Kampfsport abzuraten. Nachsorgeuntersuchungen sind mindestens jährlich erforderlich. Hier steht vor allem die Früherkennung der Entwicklung eines erhöhten Blutdruckes und dann dessen Therapie im Vordergrund. Außerdem wird man die Nierenfunktionsleistung in Blut und Urin kontrollieren.

Versicherung des Spenders gegen mit der Spende verbundene Risiken
Eine solche Versicherung gibt es bislang leider nicht. Auch eine Risikoversicherung im Katastrophenfall (z.B. tödlicher Herzinfarkt unmittelbar nach der Organspende) kann bis heute nicht abgeschlossen werden. Für die materiellen Ausfälle durch die stationäre und ambulante Behandlung des Spenders muß die Krankenkasse des Empfängers aufkommen. Hierzu gehört auch die Erstattung des Verdienstausfalles. Unabhängig davon ist der "Schadensfall" im Zusammenhang mit der Organspende durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Personen, die Blut oder Gewebe bzw. Organe spenden, sind kraft Gesetzes unfallversichert (§2 Abs. 1 Ziff. 12b SGB VII). Schäden aufgrund von Komplikationen einer Organspende werden in gleicher Weise behandelt wie Arbeitsunfälle, der Spender hat also Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Nicht abgesichert sind Schadensfälle, die nicht ursächlich auf die Organspende zurückzuführen sind. Beispiele sind: der Verlust der verbliebenen Niere durch einen Unfall oder Tumorbefall. Diese sehr seltenen Ereignisse können nur durch eine private Versicherung abgesichert werden.

Entschädigung des Spenders
In Deutschland existiert ein striktes Verbot des Organhandels (§17 Transplantationsgesetz). Verstöße dagegen können mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden. Gewiss ist dem Spender die Dankbarkeit des Empfängers. Hauptentschädigung ist eine moralische: man hat einem nahestehenden Menschen aus freien Stücken das größtmögliche persönliche Geschenk gemacht.

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Letzte Aktualisierung: 21.10.2008 | Online-Redaktion
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