Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik

Direktor: Prof. Dr. Gerhard Handel


In-vitro Studie zur Bruchfestigkeit und Randspaltverhalten von Inlaybrücken aus dem glasfaserverstärkten Kunststoff Targis/Vectris

Behr, M., Rosentritt, M., Leibrock, A., Handel, G. Ziel dieser in-vitro Studie war es zu prüfen, ob zahnfarbene Inlaybrücken im Seitenzahngebiet aus glasfaserverstärktem Kunststoff den zu erwartenden mechanischen Belastungen in der Mundhöhle standhalten. Es sollte untersucht werden, ob Inlaybrücken aus Targis/Vectris in bezug auf Bruchfestigkeit und Randspaltverhalten Werte aufweisen, die eine erfolgreiche klinische Erprobung erwarten lassen. Frisch extrahierte 3.Molaren wurden in einen PMMA-Kunststoff eingebettet. Die Pfeilerzähne der Brücken wurden in einem Abstand fixiert, der einer Lückenweite von 10mm entsprach. Zwei Präparationstechniken wurden getestet : stufenförmige und wannenförmige Präparation. Von jeder Präparationsart wurden jeweils 8 Brücken aus dem Material Vectris/Targis hergestellt. Alle Brücken wurden adhäsiv mit Variolink zementiert. Unmittelbar nach dem Versäubern wurden Abformungen für die Replikatechnik zur semiquantitativen Randspaltanalyse im Raster-Elektronen-Mikroskop (REM) durchgeführt. Anschließend erfolgte die thermozyklisch-mechanische Belastung (TCML: 3000* 5C x 55C x 5C, 1,2* 10 6 x 50N ) im Regensburger-Kausimulator. Nach der TCML wurden erneut Replikas hergestellt um das Randspaltverhalten zu beurteilen. Die Bruchfestigkeiten lagen bei 696N (Median,Q1=531,Q3=958) für die stufen-förmige Präparation und 722N (Median, Q1=665, Q3=818) für die wannenförmige Präparation. Vor und nach TCML wurde für beide Präparationsarten ein perfekter Randschluß in fast 70% der untersuchten Randbereiche gefunden. Die Bruchfestigkeiten lagen um den Faktor 10-20 über der von Eichner angegebenen durchschnittlichen Kaukraft von 35-70N. Selbst bei Kräften, die beim Bruxieren zu erwarten sind (250N) erscheint die Bruchfestigkeit ausreichend. Für die wannenförmige Präparation spricht die geringere Streuung der Bruchfestigkeitswerte und die deutlich geringere Durchbiegung der Brücken unter Last, was dem Randschlußverhalten im lückenfernen Randbereich zu Gute kommen dürfte. In der semiquantitativen Randspaltanalyse konnte jedoch dieser Effekt nicht aufgezeigt werden, wofür die gewählten Parametern verantwortlich sein könnten. Als Nachteil der wannenförmigen Präparation ist die größere Gefahr der Pulpaeröffnung zu nennen. Zusammenfassung: Die ersten in-vitro Versuche lassen das Material Vectris/Targis für adhäsiv-zementierte Inlaybrücken geeignet erscheinen, so daß die klinische Erprobung angegangen werden kann. Eine Indikationsfreigabe zur Anwendung in der täglichen Praxis kann aber erst nach Abschluß der kontrollierten klinischen Studien erfolgen.


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